4. Mai 2026
Auftaktveranstaltung war am 4. Mai 2026: Freundeskreis zur Förderung des Krankenhauses Bruchsal e.V. stimmt auf das Jubiläumsjahr 2027 ein
Im Jahr 2027 blickt die RKH Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal auf eine außergewöhnliche Geschichte zurück: 250 Jahre medizinische Versorgung, Fürsorge und gesellschaftliches Engagement – fest verwurzelt in der Region und zugleich im stetigen Wandel begriffen. Ein solches Jubiläumsjahr wird besondere Aktionen und Veranstaltungen bereithalten, auf die sich die Bürgerinnen und Bürger noch freuen dürfen.
Der Ursprung dieser langen Tradition reicht zurück in das Jahr 1777. In einer Zeit, in der medizinische Versorgung noch längst keine Selbstverständlichkeit war, wurde in Bruchsal ein bedeutender Schritt getan: Auf Initiative des Speyerer Fürstbischofs Damian August von Limburg-Stirum entstand ein Spital, das am 13. Juli 1777 offiziell eröffnet wurde. Untergebracht wurde es in einer umgebauten „alten Schule“ in unmittelbarer Nähe des damaligen Bruchsaler Schlosses, also im Zentrum der fürstbischöflichen Residenzstadt, dort, wo sich heute das Bürgerzentrum befindet. Der jetzige Klinikstandort an der Gutleutstraße entstand erst im Zuge des Neubaus von 1906.
Eine Institution, die über Generationen hinweg Bestand hatte
Anlass für diese Stiftung war nicht zuletzt eine persönlich erlebte Krankheit des Fürstbischofs, die ihn dazu bewegte, aus Dankbarkeit eine Einrichtung ins Leben zu rufen, die fortan der Versorgung Kranker dienen sollte.
Mit dieser Gründung wurde der Grundstein gelegt für eine Institution, die über Generationen hinweg Bestand haben sollte. Was einst als vergleichsweise kleines Spital mit begrenzten Mitteln begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem modernen Klinikum – ohne dabei den ursprünglichen Gedanken aus den Augen zu verlieren: den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.
Das Jubiläumsjahr 2027 lädt dazu ein, innezuhalten und zurückzublicken – auf die Anfänge im 18. Jahrhundert, auf die Menschen, die diese Klinik geprägt haben, und auf die vielen Entwicklungen, die sie zu dem gemacht haben, was sie heute ist: ein Ort der Heilung, der Begegnung und der Verantwortung für die Gesundheit der Region.
Genau diese Aspekte greift der Freundeskreis zur Förderung des Krankenhauses Bruchsal e.V. auf und möchte mit einer Veranstaltungsreihe, die auch eingebettet ist in die diesjährigen Feierlichkeiten zum 1050-jährigen Jubiläum der Stadt Bruchsal, schon jetzt auf das 250-jährige Stiftungsjubiläum der Klinik im nächsten Jahr einstimmen. Dazu haben der 1. Vorsitzende Prof. Dr. Jürgen Wacker, ehemals Ärztlicher Direktor der Bruchsaler Frauenklinik und damit ebenfalls Teil der Geschichte, und seine Mitstreiter vom Förderverein ein interessantes Programm zusammengestellt. Über die erste Veranstaltung kann der Verein rückblickend berichten:
Vortragsveranstaltung mit Thomas Moos über Dr. Adam Hammer
Zum Auftakt Anfang Mai berichtete Thomas Moos, Leiter des Stadtarchives Bruchsal, über ein spannendes medizinhistorisches Thema, nämlich über das Leben und Wirken des Kardiologen Dr. Adam Hammer (1818–1878).
Prof. Dr. Martin Andrassy, der Ärztliche Direktor der Kardiologischen Klinik an der RKH Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal, begrüßte die zahlreich erschienenen Zuhörer im Kasino der Klinik. Andrassy stellte kurz die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der modernen Kardiologie vor, wie sie im Bruchsaler Krankenhaus heute praktiziert werden. Danach führte Prof. Dr. Jürgen Wacker die aufmerksamen Zuhörer in die Veranstaltungsreihe des Freundeskreises zur Förderung des Krankenhauses Bruchsal aus Anlass des 250-jährigen Bestehens ein.
Thomas Moos begrüßte auch besonders die zahlreichen Besucher aus Bad Schönborn-Mingolsheim und verwies auf das Buch über „Adam Hammer – ein badischer Achtundvierziger“ vom Mingolsheimer Werner Streckfuß, das 1998 vom Heimatverein Kraichgau herausgegeben wurde. Eindrücklich schilderte Thomas Moos die medizinhistorischen Meilensteine der Zeit von Adam Hammer, der unter anderem auch die Vorlesungen von Rudolf Virchow in Würzburg besucht hatte und von dessen Wirken und Denken Adam Hammer stark beeinflusst wurde.
Mittelpunkt des Vortrages von Thomas Moos war der Anlass und der Inhalt des Artikels von Adam Hammer mit dem Titel: „Ein Fall von thrombotischem Verschluss einer der Kranzarterien des Herzens“, der am 2. Februar 1878 in der Wiener Medizinischen Wochenschrift veröffentlicht worden war. Moos zeigte eindrücklich die Instrumente und Möglichkeiten, die dem Arzt Dr. Adam Hammer am 4. Mai 1876 zur Verfügung standen.
Statt der heutigen diagnostischen Möglichkeiten wie Littmann-Stethoskop, EKG, Koronarangiographie oder einer MRT-Untersuchung benutzte Hammer neben der Palpation (gezieltes Abtasten) des Pulses zur Auskultation (Abhören von körpereigenen Geräuschen) der Herzgeräusche nur ein altes Stethoskop, das von René Laennec bereits 1820 in Paris entwickelt worden war. Obwohl Dr. Adam Hammer am 4. Mai 1876 eine richtige, wegweisende Diagnose bei dem 34-jährigen Wiener Patienten gestellt hatte, konnte er diesem nicht mehr helfen, denn der Patient verstarb wenig später an den Folgen eines Myokardinfarktes, wie es im Obduktionsbericht festgehalten worden war.
Das abenteuerliche Leben eines engagierten Arztes
Thomas Moos berichtete auch aus dem abenteuerlichen Leben des vielfach interessierten und engagierten Arztes Dr. Adam Hammer, der auf tragische Weise am 4. August 1878 während eines Erholungsurlaubes in Bad Griesbach im Renchtal plötzlich in dem bekannten Schwarzwälder Kurort für Herz-Kreislauf-Beschwerden verstarb.
Wie das beigefügte Bild von Wolfgang Weismann zeigt, erhielt der Vortragende Thomas Moos am Ende seines Vortrages starken Beifall von den anwesenden aufmerksamen Zuhörern. Die nächste Veranstaltung zum kommenden Klinikjubiläum findet am Sonntag, 13. September 2026 anlässlich des Tags des offenen Denkmals in der Klinikkapelle im historischen A-Bau statt.
Alexey Zaichik und Prof. Dr. Jürgen Wacker